"Die weiße Frau" ist das literarische Debüt einer großen Erzählerin, die uns daran erinnert, wie jung unsere Sprache ist und wieviel Zukunft in ihr auf den Funken leben wartet, der sie zum Leuchten bringt.
Die Welt, 6.1.1979
"Die dreizehnte Fee" ist ein ganz starkes Buch, auch ein gekonntes, das Buch von jemand, der erzählen kann, sehr kunstvoll erzählen, ohne daß sich das Kunstvolle vordrängte; auf jeder Seite ist der große Atem des Erzählens spürbar, ein Atem, der fortträgt, mitreißt. Eine Art der Darstellung in Wahrheit und Genauigkeit, mit Humor vorgetragen in Beteiligung und entlarvender Distanz, die nie das Lebensvolle verliert und dünn wird.
Tages-Anzeiger, 15.10.1983
"Im Wasser tanzen" ist, obwohl gleichmäßig durchflutet, ein heterogenes Buch. Ideenreichtum, organisch verbunden mit einem breiten Repertoire stilistischer Gangarten, das die Autorin nicht zum ersten Mal unter Beweis stellt, verleiht jeder Erzählung ihr unverwechselbares Signum... Die vielgestaltige Präsenz des Wassers, das allerorten fließt, tröpfelt und tümpelt, das -–kaum merklich – alles mit allem vereint, hat in der Struktur ideser Prosa selbst ihren Niederschlag gefunden.
Frankfurter Rundschau, 7.4.1990
In ihrem neuen Erzählband "Salomo und die anderen" geht es um die Überlebenden des Holocaust. Bei einer Recherche über das Schicksal des jüdischen Arztes Arthur Mayer... muß die Autorin immer wieder feststellen, daß das Schweigen über das, was war und geschah, Täter wie Opfer eint bis auf den heutigen Tag. Bei den einen Scham über das, was sie taten, bei den anderen Scham darüber, daß "man ihnen hatte tun können, was man ihnen getan hatte"... Die Sprache dieser Autorin ist klar und konzentriert, ihre Bilder frisch und unverbraucht und von schöner Eigenständigkeit... Gewiß keine Eiferin, aber eine, die ihr Thema beharrlich und beherrscht verfolgt.
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 11.5.1993
Die Autorin Katja Behrens erzählt von jüdischen Schicksalen
nach 1945, wobei es ihr weniger um die Geschehnisse damals geht, als um
die Gegenwart, um Erkenntnisgewinn oder Wiederholungsgefahr, egal unter
welcher Flagge. Um die Grammatik unserer Gefühle also, jetzt und hier,
den Blick in die Zukunft gerichtet... Eine leise, fast lautlose Prosa,
die dennoch berührt – bis unter die Haarwurzeln.
Nürnberger Nachrichten, 10.8.1993
Wenn sich auch die Hoffnung, die zum Aufbruch treibt, nicht erfüllt, so ist die Wanderschaft doch nicht vergeblich: Die Erfahrung ist ins Unendliche gewachsen, und Katja Behrens‘ neuer Roman, "Die Vagantin", zu einem großen, welthaltigen und geschichtsträchtigen Werk geworden... Katja Behrens hat ein Fresko vorgelegt, in dem Epochen und Länder, Städte und Dörfer, Stände und Klassen, Bauern und Handwerker, Natur und Kultur, Ökonomie und Religion, Gefühle und Gesinnungen, Liebe und Haß am Leser vorbeiziehen... Katja Behrens nimmt deutsche Gemütlichkeit und Selbstzufriedenheit, deutsche Leb- und Lieblosigkeit ironisch ins Visier, ohne das Modell einer neuen Lebensform zu entwerfen, es sei denn das eines immer wieder versuchten Ausbrechens.
Frankfurter Rundschau, 5.4.1997
Mit dem Herzen, aber ohne jeden Pferdeliteratur-Kitsch, erzählt Katja Behrens eine wunderschöne Pferde-, Pferdemenschen- und Teenager-Geschichte. Ihre offensichtliche Sachkenntnis und der ausgefeilte, gekonnte Schreibstil machen "Zorro – Im Jahr des Pferdes" zu einem wahren literarischen Kleinod, das allen jugendlichen Pferdenarren, die gerade aus dem Wendy-Alter herauswachsen, in die Hand gedrückt werden sollte.
Der Landbote, 11.3.2000
"Alles Sehen kommt von der Seele – die Lebensgeschichte der Helen Keller" ist Katja Behrens zweites Jugendbuch... In allen ihren Büchern schreibt Katja Behrens in höchstem Maße sinnlich. Das heißt nicht nur, daß sie Gefühle und Gerüche, Gehörtes und Gesehenes konkret, plastisch und intensiv beschreibt. Das heißt auch, daß ihr Stil, der Rhythmus ihrer Sätze, die Vorgänge Fühlen und Riechen, Hören und Sehen unmittelbar mitvollziehen. Erstaunlicherweise ist nun kein anderes ihrer Bücher so sinnlich geschrieben wie dieses, in dem es um einen Menschen geht, dessen wichtigste Sinne nicht funktionieren. Wo die einen versagen, werden ja die anderen umso sensibler ausgebildet. Und was Helen Keller nicht sieht oder hört, muß die Autorin mit ihr riechen, spüren, empfinden und ertasten. Mit ihr lernt auch der Leser seine Sinne zu öffnen, mitzu-fühlen in des Wortes ureigenster Bedeutung. Und das ist ja das erste und größte Ziel von Literatur.
DeutschlandRadio, 10.11.2001
Katja Behrens liebt Bilder, die sich unmittelbar einprägen, ihre Bücher leben vom Spiel mit Symbolen und Anspielungen. Das Wasser zum Beispiel ist ihr Lieblingselement, es breitet sich aus in ihrem Werk. Wasser, das in ihren Augen das Leben verkörpert, aber auch den Tod bringen kann, das uns im Mutterleib umgibt und drei Viertel der Erdoberfläche bedeckt, das permanent fließt, aber auch fest werden oder sich sozusagen in Luft auflösen kann. An manchen Stellen besitzen ihre Romane und Erzählungen dadurch eine fast magische, märchenhaft wirkende Kraft... Wenn man versucht, dieses Schreiben, diesen ganz eigenen Ton mit einem Begriff zu umreißen, dann hieße der: Sinnlichkeit.
Hessischer Rundfunk, 22.12.2001
Katja Behrens ist ein kleines Meisterwerk gelungen, eine Liebesgeschichte, in einer klaren, poetischen Sprache, die zu lesen einfach froh macht... Eine wunderschöne, spannende Geschichte.
Die Zeit über "Hathaway Jones", 5.9.2002
Über: „Alles aus Liebe, sonst geht die Welt unter – sechs Romantikerinnen“:
Das Buch bringt Zeit und Thematik eloquent nahe. Es schildert die Umstände, in denen diese Frauen um 1750 bis 1800 waren. Die einzelnen Biografien enthalten Bildnisse und Briefdokumente. Das Nachwort weist auf die Bedeutung für die Zeit hin. Am Ende erleichtern Zeittafel, Personenverzeichnis und Literaturliste die Orientierung.
Bücherbär, März 2006
Eine assoziative Schreibweise, innerer Monolog, Dialog, Disput, Streitgespräch, Zitat-Montage und eine glücklich gewählte Strukturierung des Stoffes führen bei Katja Behrens zu einer Prosa, die mit Verkürzungen arbeitet und trotzdem komplizierte psychische Vorgänge aufschließen und sichtbar machen kann.
Die Berliner Literaturkritik, 9.10.2006
Mit dem sprachlichen Feingefühl der im Schreiben Verbündeten spürt sie den Stimmen dieser Frauen nach, die sich in Hunderten von Briefen an Freunde, Geliebte, Gönner eigenwilligen Ausdruck verschafften. Behrens lässt Bilder von sprachlicher Dichte entstehen, die das literarische Zeitalter der Romantik und sein Gespinst aus Beziehungen, Briefen und Intrigen als ein sinnliches Erlebnis aus Gerüchen und Gefühlen aus der Vergessenheit holen.
Über „Roman von einem Feld“:
… aus der Fülle des Lebens auf, unter und über der Erdkrume und den menschlichen Schicksalen, die sich auf der ehemaligen Rodungsinsel zwischen Stadtgrenze und Stadtwald in den zurückliegenden 700 Jahren ereignet haben – immer wiederkehrende Dramen um Liebe, Not und Tod, die die Schriftstellerin zu einer Mischung aus Sage, Märchen, Geschichtserzählung und naturwissenschaftlichem Fachbeitrag verarbeitet hat. Es sind ineinander verwobene, komprimierte Naturbeschreibungen und historische Entdeckungen, die vor allem durch eins bestechen: eine liebevolle und genaue Beobachtungsgabe. Religiös gesprochen müsste man Behrens’ literarischer Feldforschung bescheinigen, ein Paradbeispiel von „Achtsamkeit“ oder „Ehrfurcht“ zu sein.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.1.2008
Der Roman, so ortsgebunden er auf den ersten Blick scheint, liest sich bei näherem Hinsehen wie eine Parabel, die dem Menschen – nicht nur den Hessen, sondern allen überall – einen Spiegel vorhält: Darin entlarvt der sich als träges Gewohnheitstier und wenig geignet für Glück. Aber der Roman zeigt noch mehr: Daß Leben das kostbarste Gut ist, das es zu entdecken gilt, und dass es im Regenwurm ebenso komplex und wunderbar angelegt ist wie in kosmischen oder humanoiden Zusammenhängen.
Kulturnachrichten, Januar 2008
Im Roman von Katja Behrens ist das Oberfeld modellhafter Schauplatz von Geschichte und konkreter Ort zugleich, vor allem aber ist es ein Biotop, in dem Geschichten gedeihen von den Leibeigenen des Mittelalters bis zu den Menschen, die heute am Rande des Oberfelds wohnen, einem Ort, an dem Reichtum und Armut eine ungewöhnlich enge Nachbarschaft bilden… In den Überblendungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit hebt sie die Gegensätze von Menschen- und Tierwelt, Natur und Technik, Sagen und Historie in einer wundersamen Einheit auf.
Darmstädter Echo, 27.11.2007
„Roman von einem Feld“ ist ein sprachlich konzentriertes und virtuos komponiertes Jahreszeitendrama, in dem sich Mikrokosmos mit Makrokosmos, Regionalhistorie mit Legende, Flora mit Fauna und Mittelalter mit Jetztzeit zu einem feinmaschigen Sprachgewebe verwirken.
Mannheimer Morgen, 6.2.2007
Aus der Charakterstudie einer Lokalscholle wurde im Laufe sorgsam voranschreitender Literarisierung eine Pareabel für Leben und Sterben, Lust und Laster, Anmut und Schock.
Frankfurter Rundschau, 7.3.2008
Über: „Der kleine Mausche aus Dessau – Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743“
Unterwegs wird er von Dorfkindern gepeinigt, von Wandergesellen angefeindet und von Grenzsoldaten gedemütigt. Er wird von wohlhabenden Juden verachtet, die ihn am Sabbat pflichtgemäß beherbergen, und er wird fußlahm von Zigeunern im Pferdewagen mitgenommen. Er begegnet einem hessischen Hufschmied, der dem Juden beisteht, wenn es brenzlig wird, und dem auch Mausche beistehen kann, als die beiden in die Hand einer Chawrusse, einer jüdischen Räuberbande fallen.
So ist „Der kleine Mausche aus Dessau“ weit mehr als der attraktive Ausschnitt einer Gelehrtenbiographie: Katja Behrens entwirft zugleich ein komplexes Bild der prekären jüdischen Lebensbedingungen im achtzehnten Jahrhundert. Doch auch das ist noch nicht die größte Stärke dieses Buches. Die liegt in seinem im Grunde hochaktuellen Panoptikum wechselseitiger Vorurteile und Fremdheit ...
Dass sich diese Gräben gewiss nur mit Menschlichkeit, mit Offenheit, mit Großzügigkeit und Geduld überwinden lassen, spricht Katja Behrens zum Glück an keiner Stelle aus. Sie zeigt es, eindrucksvoll und klar.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.9.2009
Die Naturstimmungen, der Blick auf Sitten und Alltag, etwa auch der Fahrenden, sowie die Dialoge mit jiddischen und hessischen Brocken sind ungewöhnliche Kost, aber aufregend schön als eine Miniatur zur Geschichte der Toleranz.
Neue Zürcher Zeitung, 6.9.2009
Katja Behrens hat in ihrem Buch über die beiden Kinder des 18. Jahrhunderts viel Kluges versteckt für die Kinder des 21. Jahrhunderts. Selbst Lessing hat einen versteckten Auftritt und zitiert die Worte des Predigers: „Wer viel lernt, muss viel leiden.“ Wohl wahr. Aber welch ein Abenteuer ist eine Reise für den, der sein Buch dabei hat und lernen will!
Die Zeit, 12.11.2009
Katja Behrens beschreibt diese ersten Schritte aus der Enge in die Weite, die neue Freiheit, die Denk- und Wahrnehmungsfreiheit ist, so genau und sensibel, dass einem beim Lesen das Herz aufgeht wie Mausche beim Schauen die Augen. Noch nie hatte er das Ghetto verlassen, wo alles schwarz und grau gewesen war. „Schwarz die Hüte und die Kaftane und die Buchstaben, grau die Häuser, die Esel, die Steine.“ Nun ist er berauscht von Farben und Blumen, begeistert registriert er jede neue Erfahrung: „die ersten Enten seines Lebens“; „seine erste Eule“; noch nie unter freiem Himmel geschlafen; nie sich verlaufen; das erste Mal „über Wasser gefahren“, in einem Wirtshaus gesessen… Jede von Mausches Begegnungen auf seiner Reise ist wie eine kleine Offenbarung…
Die Welt, 21.11.2009
Die schönste Passage in dem Roman ist die, als Mausche seinem ungleichen Freund aus dem Alten Testament vorliest und Hannes nur noch mit offenem Mund staunt über das, was er gerade über das Leben als Teil des Ganzen erfährt, in dem alles seine Zeit und seinen Platz hat und sein darf. Geboren werden und sterben, pflanzen und ausreißen, töten und heilen, abbrechen und aufbauen, weinen und lachen. „Schee!“, sagt er schließlich. „Wecklich schee!“
Süddeutsche Zeitung, 6.11.2009
Behrens Kunstgriff, die beiden jungen Reisenden in ihrer je eigenen Sprache reden zu lassen, Mausche also im Jiddischen und Hannes im Hessischen, gibt ihrem Text eine schier unglaubliche Lebendigkeit und Authentizität.
Stuttgarter Zeitung, 18.11.2009